Klara Köttner-Benigni

© Hans Wetzelsdorfer


„Da Neisiedla See – Molden Resetarits Soyka Wirth – Album: Ho Rugg“

Intro: Noch zu Lebzeiten wurde dieser Provenienz-Bestand von Klara Köttner-Benigni selbst als persönliche Dokumentation „Zur Vorgeschichte des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel – Der Kampf gegen die Brücke“ konzipiert und erfasst.
Primär handelt ihr Nachlass vom „Brückenkampf“ über den Neusiedler See im Zeitraum zwischen 1970 und 1975, gleichwohl sie den Bestand bis 2009 mit diversen Schritftstücken erweiterte. Das von ihr gesammelte Quellenmaterial umfasst fast 900 Seiten und ist im digital-memory datenbank abrufbar.

Während seiner Amtszeit als burgenländischer Umweltanwalt hat Hermann Frühstück auf den Vorlass von Klara Köttner-Benigni aufmerksam gemacht. Ihr Ehemann Walter Benigni hat stellvertretend dem Umweltarchiv im Juni 2015 sämtliches Schriftgut mit Hinweis auf die Urheberschaft Köttner-Benigni zur Digitalisierung übergeben. Bereits im Jahre 1995 hat Klara Köttner-Benigni dem Burgenländischen Volksbildungswerk eine vier Mappen umfassende Sammlung mit Materialien zum „Brückenkampf“ übergeben. Im Jahr 2005 wurde festgestellt, dass die Dokumentation unauffindbar war und blieb. Daher sah sie sich veranlasst, eine Rekonstruktion der Ereignisse zu starten. Zwischen 2005 und 2009 wurde schließlich ihre Dokumentation fertiggestellt und an Inge Hagenstein (Naturschutzbund Österreich), dem Burgenländischen Umweltanwalt Hermann Frühstück, dem  Geschäftsführer Hans Lunzer vom Burgenländisches Volksbildungswerk und Roland Widder vom Burgenländischen Landesarchiv zu Weiterverwendung übergeben.

Auswahl und Digitalisierung: Der Bestand wurde von Klara Köttner-Benigni selbst erfasst, recherchiert und dokumentiert. Teilweise hat sie die Dokumente mit Vorspanntexten bzw. Kontextwissen erweitert. Aufgrund ihres Ablebens war keine Rücksprache bzw. -frage zum Bestand mehr möglich; ebenso war der Ehemann Walter Benigni zu keiner Stellungnahme bereit. Die Auswahl des Schriftgutes zur Digitalisierung und die dazugehörige Ordnungsstruktur richtete sich im Wesentlichen nach ihren Vorgaben. Diese Digitalisate sind weit mehr als nur eine Sammlung von persönlichen Lebenserinnerungen, da sie auch Pressemeldungen, Korrespondenzen von anderen Akteuren sowie Aktenmaterial der Burgenländischen Landesregierung, allerdings in nicht allzu großer Anzahl, beinhalten. Ihr Sammlungsschwerpunkt liegt jedoch auf den noch ihr verfügbareren persönlichen Quellen, die wiederum nicht chronologisch lückenlos dokumentiert sind.

Der persönlich motivierte „Kampf“:  Mit dem behördlichen Bescheid (1975) gegen eine Brücke über den Neusiedler See wurde gleichzeitig die Idee eines Nationalparks in Burgenland hartnäckig wiederbelebt und auch forciert. Diese Erfolgsgeschichte ist aber auch getragen von einer Reihe von Einzelpersonen und Initiativen, die auch sehr oft persönliche Nachteile zum Wohle des Ganzen auf sich nahmen; allen voran Klara Köttner-Benigni, die für einen aktiven und nachhaltigen Umwelt- und Naturschutz plädierte. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Walter hat der „Brückenkampf“ Spuren in persönlicher Hinsicht hinterlassen, die sie aber als „erledigt“ betrachtet. Leider geht aus den Unterlagen nicht hervor, was sie ganz genau mit „erledigt“ meint. Als Zeugin und Beobachterin der Zeit dokumentierte sie mit teilweise kommentiertem Quellenmaterial die Geschehnisse und Reaktionen der damaligen Akteure.

Ihr Resümee zum „Brückenkampf“ verpackt die Soziologin in einen Appell an die Nachwelt, „daß Moral auch in der Wirtschaft ein unverzichtbarer Wert ist, daß die Freiheit der Forschung weder Mensch noch Tier zu mißbrauchen das Recht hat und daß es immer dringlicher wird, die den Klimawandel und die sonstigen jetzt oder schon längst erkannten Probleme der Menschheit zu beachten und Lösungen für sie zu suchen“. Ihr nachweislich großes Engagement, aber auch die beharrlichen Bemühungen der Naturschutzorganisationen (Österreichischer Naturschutzbund, ÖNB), einzelner Naturschützer einschließlich der vorangegangenen Bestrebungen von Naturforschern seit 1935 führten im Jahr 1993 zum ersten grenzüberschreitenden Nationalpark Österreichs mit Ungarn. Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel ist auch der erste österreichische Nationalpark, der von der internationalen Weltnaturschutzunion (IUCN) anerkannt wurde. 2001 wurde der Neusiedler See – Seewinkel gemeinsam mit Fertö-Hanság/Ungarn als größter Steppensee Mitteleuropas zum UNESCO-Welterbe ernannt.

„Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel“ „Nationalparks Austria“

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